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Donnerstag, 22. Juni 2017

Multitalent Gewerbespeicher – 5 Wege zu wirtschaftlichem Erfolg

Multitalent Gewerbespeicher – 5 Wege zu wirtschaftlichem Erfolg

Fenecon Commercial 40-40

In Ihrer Beispielrechnung stellte die Reduktion der Netzentgelte die größte Erlösquelle dar. Kann man mit dieser Erlösquelle der atypischen Netznutzung längerfristig kalkulieren, wenn die Zeiten und Lasten jährlich von Netzbetreiber neu vorgegeben werden?
Antwort Fenecon: Die atypische Netznutzung in der starren Ausprägung wie sie aktuell ist, könnte in den nächsten Jahren geändert werden. Dann jedoch wahrscheinlich zugunsten einer flexibleren Regelung, bei der Stromspeicher durch ihre hohe Flexibilität sogar weitere Vorteile haben werden. Wichtig ist dann, dass das Energiemanagement des Speichers offen ist und entsprechend sich ändernder Anforderungen parametriert werden kann, sowie auch die Einbindung von steuerbaren Erzeugern und Verbrauchern ermöglicht wird.
Fenecon schlägt vor, sich mit dem Speicher am Markt für Primärregelenergie (PRL) zu beteiligen. Gibt es auch Chancen für Gewerbespeicher auf dem im Sekundärregelleistungsmarkt (SRL)?
Antwort Fenecon: Natürlich kann der Speicher auch in der SRL oder anderen Leistungsmärkten vermarktet werden. Dort sind derzeit jedoch die Erträge deutlich geringer als in der PRL. Unsere Philosophie ist, dass man den Speicher zur Flexibilitätsvermarktung einem spezialisierten Direktvermarkter im Rahmen einer virtuellen Kraftwerkslösung an die Hand gibt. Dieser kann dann die jeweils beste Vermarktungsform zu jedem Zeitpunkt wählen und beteiligt den Speicherbetreiber prozentual an den Erlösen. Durch die offene Softwarearchitektur der Speicher findet der Wettbewerb dann zugunsten des Speicherbetreibers unter den Direktvermarktern in Form der höchsten Beteiligungsraten ider Erträge statt.

Wäre der Speicher auch dann wirtschaftlich zu betreiben, wenn er sich nur über den Regelenergiemarkt refinanziert?
Antwort Fenecon: Sollte ein Speicher ausschließlich in der Regelleistungsbereitstellung eingesetzt werden, empfiehlt sich der Anschluss im Netz, sozusagen „vor dem Zähler“. Hier können in der reinen Regelleistungsanwendung die größten Erträge erzielt werden. Dann ist der Speicher jedoch ausschließlich von einem Geschäftsmodell abhängig, während Speichersysteme „hinter dem Zähler“ eine Vielzahl an Anwendungen erlauben und damit weniger abhängig von der Preisentwicklung einzelner Märkte und Anwendungen sind.
Könnte man Ihren Gewerbespeicher auch als Quartierspeicher für Wohneinheiten, Gewerbe, Hotel, Fitness und dergleichen auf einem Grundstück verwenden? Wie schätzen Sie das Potential für solche Lösungen ein?
Antwort Fenecon: Viele unserer Großspeicherlösungen sind auch als Quartierspeicher im Einsatz. Hier bieten die Rahmenbedingungen im Ausland jedoch gegenüber den derzeitigen deutschen Gesetzen Vorteile, da dort weniger starre Umlagen und Netzentgelte erhoben werden. Das Potenzial dieser Quartierspeicherlösungen ist sehr groß und viele unserer Partner positionieren sich bereits jetzt mit Referenzprojekten für den erwarteten lukrativen Markt.
Wie stehen Sie zum Thema Systemnetzdienstleistungen in direkter Kooperation mit den Übertragungsnetzbetreibern? Wird sich da in den nächsten fünf Jahren etwas entwickeln und ließe sich der Speicher dafür einsetzen?
Antwort Fenecon: Spätestens mit dem Atom- und dem darauffolgenden Kohleausstieg und der geringen Einsatzhäufigkeit von Gaskraftwerken sind die Übertragungsnetzbetreiber zunehmend auf Systemdienstleistungen dezentraler Flexibilitäten angewiesen. Leistungsfähige Stromspeicher mit dafür vorbereitetem Energiemanagement sind hierfür bestens geeignet und werden in den kommenden Jahren viele weitere wirtschaftliche Anwendungen im Netz anbieten können. Wir erwarten zudem auch im Verteilnetz weitere Geschäftsmodelle, angefangen von der einfachen Vermeidung des Netzausbaus, bis hin zu Blindleistungskompensation oder Schwarzstartfähigkeit, wo wir jeweils bereits spannende Pilotprojekte von Netzbetreibern begleiten durften.
Wenn ich die sieben Cent Differenz zwischen der Einspeisevergütung und dem aktuellen Strompreis nehme und mit den möglichen Zyklen sowie der Kapazität des Speichers multipliziere komme ich nur auf 638 Euro Erlös aus dem Photovoltaik-Eigenverbrauch. Sie setzen aber 17.382 Euro an. Wie kommen Sie darauf?
Antwort Fenecon:  Der beschriebene Fall ist eine neue Photovoltaik-Anlage mit Stromspeicher, bei der wir die Erlöse weitgehend dem Direktverbrauch von Solarstrom zuordnen. Die Erlöse entstehen dabei im Vergleich mit Gewerbebetrieben ohne Photovoltaik-Anlage. Im Gewerbe ist es kaum möglich, Stromspeicher ausschließlich auf Basis der Erhöhung des Eigenverbrauchs mit Rendite zu betreiben. Aus dieser Perspektive – aber auch, weil wir viele sehr wirtschaftliche weitere Anwendungen von Stromspeichern bereits realisieren durften – haben wir das 5-Säulen-Modell der Speicher-Wirtschaftlichkeit entwickelt und sowohl unsere Stromspeicher, als auch unser Energiemanagementsystem auf maximale Flexibilität in den Anwendungen entwickelt.
Wie hoch veranschlagen Sie die Betriebskosten für den Speicher im Jahr und ändern sich diese abhängig vom jeweiligen Einsatzzweck?
Antwort Fenecon: Gut dimensionierte Speicher können einen Roundtrip-Wirkungsgrad (AC-zu-AC) von bis zu 90 Prozent erreichen. Entsprechend fallen Kosten in Höhe von circa zehn Prozent der durchgesetzten Energiemenge an. Bei notstromfähigen Speichern kann die Verlustenergie auch 15 Prozent oder mehr betragen. Weiterer Stromverbrauch entsteht über den Standby-Verbrauch und bei Containerlösungen beispielsweise über die Klimaanlage und weitere Nebenverbraucher. Dagegen sind die Wartungs- und Servicekosten bei Lithium-Speichern allgemein sehr gering. Während ein einfacher, prozentualer Ansatz an der Investitionssumme wie bei Photovoltaik-Anlagen häufig nicht zielführend ist, unterstützen wir unsere Kunden in der Businessplanerstellung gerne mit Erfahrungswerten für die jeweilige Anwendung.

Technische Umsetzung

Ist das System auch für den Anschluss an die Mittelspannung zertifiziert?
Antwort Fenecon: Ja. Sowohl die 100 Kilowatt Batteriewechselrichter von REFU, als auch die 160/320/480/630 Kilowatt Wechselrichter von BYD, die wir derzeit vorrangig einsetzen, sind für den Anschluss an die Mittelspannung zertifiziert. Der Fenecon Commercial ist dagegen für den Niederspannungseinsatz vorgesehen, wurde in Abstimmung mit den zuständigen Netzbetreibern jedoch auch bereits in Projekten mit Mittelspannungsanschluss eingesetzt.
Funktioniert die Umschaltung auf Notstrom unterbrechungsfrei?
Antwort Fenecon: Die Geschwindigkeit der Umschaltung auf den Notstrombetrieb kann projektspezifisch realisiert werden. Sehr kurze bis hin zu unterbrechungsfreien Umschaltzeiten können mit der geeigneten Leistungselektronik realisiert werden. Manche Projekte setzen dabei ausschließlich auf den Stromspeicher, andere nehmen eine kleine USV-Anlage für kritische Verbraucher dazu und wieder andere erlauben eine Umschaltzeit von bis zu wenigen Sekunden.
Wie wird der Speicher bei der Lastspitzenkappung gesteuert? Welche Geräte sind notwendig?
Antwort Fenecon: In der Lastspitzenkappung wird der Netzbezug über Sensoren erfasst und durch Ausspeisung des Speichers der Restbezug dynamisch auf einen Zielwert reduziert. Das ist ähnlich zur Eigenverbrauchsanwendung, doch während dort der Zielwert die Null ist, liegt der Zielwert der Lastspitzenkappung eben entsprechend höher. Es sind keine zusätzlichen Geräte notwendig. Der Speicher kann über das Energiemanagement auch steuerbare Lasten und Erzeuger intelligent in das Gesamtsystem einbinden und damit höhere Lastreduzierungen als die eigentliche Speicherleistung erreichen.
Kann man mit konstanten 2C Laden/Entladen? Wie wirkt sich das auf die Lebensdauer der Batterie aus?
Antwort Fenecon: Während die Fenecon Commercial-Serie auf eine konstante Lade- und Entladeleistung von 1C ausgerichtet ist, können die Systeme der Fenecon Industrial Serie mit 2C be- und entladen werden. Für dauerhafte 2C-Anwendungen und schnelle Lade-/Entladeabfolgen setzen wir zur Sicherung einer langen Lebensdauer Batteriemodule mit aktiver Belüftung ein, während bei geringerer Häufigkeit der 2C-Anwendung auch die Lebensdauer der normalen Batteriemodule kaum beeinträchtigt wird. Auf Basis der Anwendungsprofile stellen wir gerne projektspezifische Batterie-Degradationskurven zur Verfügung und bieten optional entsprechende Garantie- und Servicepakete an.
Gibt es von Fenecon VDE-konforme Null-Einspeiselösungen? Bei uns ist der Hausanschluss schon mit der Photovoltaik-Volleinspeisung ausgelastet. Wir hätten aber gerne noch 100 Kilowattpeak mit 80-Kilowattstunden-Speicher für den Eigenverbrauch.
Antwort Fenecon: Für genau diese Anforderung haben wir vor sechs Jahren unsere ersten Speicher gebaut. Während sich die Verteilnetzbetreiber in der Frage der Neuinstallation von Photovoltaik-Anlagen bei bereits ausgelasteten Netzanschlüssen in den vergangenen Jahren deutlich bewegt haben, gibt es seitens des VDE oder der Bundesnetzagentur noch keine allgemeingültigen Vorgaben. Manche Verteilnetzbetreiber lassen nunmehr sogar AC-gekoppelte Anlagen mit dynamischer Nullpunktregelung mit oder ohne Speicher zu – diese technische Lösung ist jedoch immer mit dem Netzbetreiber abzustimmen. Bei der konkreten Anfrage nach 100 Kilowattpeak würden wir ein Cluster aus 2 x Commercial Hybrid 60-40-40 empfehlen. Durch die DC-Kopplung der Photovoltaik-Anlage agiert diese batteriegeführt und arbeitet nur so lange bis die Batterie voll ist. Damit kann den Netzbetreibern deren größte Sorge genommen werden, nämlich eine unkontrollierte Einspeisung und damit eine unvorhersehbare Netzbelastung im Fehlerfall von Sensoren, Leistungsreduzierung o.ä. Diese Anlagenkonfiguration wird von den meisten Verteilnetzbetreibern akzeptiert.
Die Spannung im Niederspannungsnetz und teils im Mittelspannungsnetz wird ja erhöht, was Auswirkungen auf die angeschlossenen Geräte hat. Ist die Leistungselektronik der Fenecon-Speicher in der Lage, das hinter dem Zähler (oder auch davor) wieder zu drosseln?
Antwort Fenecon: Die Spannung im Netz ist abhängig von Verbrauch und Erzeugung. Da ein Speicher in beiden Wirkweisen arbeiten kann, kann er auch zur Spannungshaltung beitragen. Zudem kann die Spannungshaltung im Netz durch aktive Blindleistungsregelung erfolgen. Falls im Kundenprojekt auch sehr kurzfristige Spannungsschwankungen auszugleichen sind, würden wir einen speziellen Umrichter einsetzen, der hierfür extrem schnell reagieren kann.
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