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Montag, 31. Juli 2017

CO2-Abgaben müssen um Faktor 10 steigen

30.07.2017

CO2-Abgaben müssen um Faktor 10 steigen

Das Solar Cluster Baden-Württemberg plädiert für nationale CO2-Abgabe. Deutschland sollte dem Weg anderer europäischer Länder folgen. Nur mit einem angemessenen Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid kann ein fairer Wettbewerb auf dem Energiemarkt entstehen.


Großbaustelle der Blöcke F und G des Braunkohlekraftwerks Neurath bei Grevenbroich 2006
Mit angepassten CO2 Abgaben werden falsche Investitionsanreize verhinder. Großbaustelle der Blöcke F und G des Braunkohlekraftwerks Neurath bei Grevenbroich ©Markus Schweiss / Wikimedia
Das Solar Cluster Baden-Württemberg setzt sich für eine nationale CO2-Abgabe ein, wie in Frankreich und Großbritannien bereits geschehen, da eine wirksame Reform des europäischen Emissionshandels offenbar nicht durchsetzbar ist. Laut der Branchenvereinigung müssen die Kosten für den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid mindestens um den Faktor 10 steigen. Nur so kann ein marktgerechter Preis erzielt werden, der die Umweltschäden fossiler Energien abbildet und für faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt sorgt. Mit einem höheren CO2-Preis könnten außerdem Fördermaßnahmen wie die EEG-Einspeisevergütung überflüssig werden.


Schneller Umstieg auf Erneuerbare durch angepasste CO2-Abgaben

Aus dem Klimaabkommen von Paris ergibt sich der Auftrag für Politik und Gesellschaft, die Energieversorgung in Deutschland bis spätestens 2050 vollständig CO2-frei zu gestalten. Dafür ist ein schneller, konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energiequellen mit Speicherung und Netzintegration sowie Maßnahmen zur Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität entscheidend.
Experten haben ein mögliches Preisniveau bereits berechnet: Eine von den Ökonomen Joseph E. Stiglitz und Nicholas Stern geleitete Kommission kam im Mai 2017 zu dem Schluss, dass zur Erreichung der Pariser Klimaziele folgende Preise pro Tonne CO2 notwendig sind:
  • kurzfristig, bis 2020, ein Preisniveau von 40 bis 80 US-Dollar
  • mittelfristig, bis 2030, von 50 bis 100 US-Dollar 

Aktueller Preis muss sich verzehnfachen

Die Realität sieht aktuell anders aus: Der Preis in Europa bewegt sich seit seiner Einführung zwischen 3 und 8 Euro pro Tonne CO2 und hat sich in den letzten Monaten bei etwa 5 Euro eingependelt.
Um wirksamen Klimaschutz zu betreiben und falsche Anreize für die fossile Energieerzeugung abzubauen, müssen die Kosten für den CO2-Ausstoß also verzehnfacht werden. Auf diesem Weg wäre die Bundesrepublik übrigens nicht alleine. Laut einem aktuellen Bericht der Weltbank haben andere europäische Länder neben dem EU-Emissionshandel bereits  nationale CO2-Abgaben eingeführt. Frankreich etwa verlangt 33 US-Dollar pro Tonne CO2, Großbritannien fordert einen Mindestpreis von 22 US-Dollar. Auch China und der US-Bundesstaat Kalifornien haben eigene Systeme zur CO2-Bepreisung eingerichtet.

Angepasste Abgabe stoppt Anreize für Investitionen in fossile Energien

Bei der Nutzung konventioneller Energieträger entstehen in Deutschland durch staatliche Subventionen und Umweltbelastungen gesellschaftliche Kosten, die bisher im Strompreis und den Preisen für Wärme nicht abgebildet werden. Eine von Greenpeace Energy beauftragte Studie aus dem Jahr 2016 beziffert diese versteckten Kosten für 2017 je nach Szenario auf 33 bis 38 Milliarden Euro. Mit dem Bundeshaushalt werden durch staatliche Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und unterschiedliche Förderungen für die Atom- und Kohleindustrie finanziert. Eine höhere CO2-Abgabe würde diese Kosten, zumindest teilweise, auf den Energiepreis umlegen.
Ein angemessener Preis für Kohlendioxid würde die Energiewende beschleunigen, Energieeffizienz bei Strom und Wärme sowie die Elektromobilität fördern und Anreize für Investitionen in fossile Energieträger vermeiden. Im Grunde könnten mit einem höheren CO2-Preis alle weiteren Fördertatbestände aus dem Energierecht, wie etwa die Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, durch einen einzigen Markt ersetzt werden. Eine Regulierung des Ausbaus insbesondere der erneuerbaren Energien wäre dann nur noch mit Blick auf die Optimierung des Gesamtsystems nötig.
Das Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. vertritt und vernetzt derzeit gut 40 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus allen Teilen der solaren Wertschöpfungskette. Ziele der südwestdeutschen Branchenvereinigung sind der beschleunigte Ausbau der Solarenergie und die Unterstützung der regionalen Solarbranche, vornehmlich in Baden-Württemberg.
Die Studie die diesem Text zu Grunde liegt finden Sie unter dem Link.
SOLAR-professionell nach einem Text des Solar Cluster Baden-Württemberg
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