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Dienstag, 4. Juli 2017

Photovoltaik und Windkraft überflügeln Braunkohle bei Stromerzeugung

Photovoltaik und Windkraft überflügeln Braunkohle bei Stromerzeugung


Der Photovoltaik-Zubau in Deutschland kommt derzeit nur in Trippelschritten voran. Die in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen haben dennoch im ersten Halbjahr rund 10,1 Prozent mehr Solarstrom produziert als im Vorjahreszeitraum, wie die Zwischenbilanz der Energy Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zeigt. Insgesamt hätten sie in den ersten sechs Monaten des Jahres etwa 21 Terawattstunden Solarstrom ins öffentliche Netz eingespeist. Die maximale Photovoltaik-Leistung von rund 30 Gigawatt sei am 27. Mai um 13 Uhr erreicht worden. Zu diesem Zeitpunkt stammten 42 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus den Photovoltaik-Anlagen. Im gesamten Mai habe die Photovoltaik mit einer monatlichen Stromerzeugung von 5,57 Terawattstunden nahezu auf dem Niveau der Atomkraft (5,65 Terawattstunden) gelegen, heißt es weiter.
Auch die Windenergie konnte der Auswertung zufolge im ersten Halbjahr um 7,6 auf 48,6 Terawattstunden weiter zulegen. Sie sei damit hinter der Braunkohle die zweitgrößte Energiequelle gewesen – leicht größer als die Steinkohle. Gemeinsam hätten Photovoltaik- und Windkraftanlagen mit etwa 69,6 Terawattstunden erstmals mehr Strom als die Braunkohle erzeugt, wie Bruno Burger, Leiter der Energy Charts, hervorhebt.
Grafik: B. Burger, Fraunhofer ISE; Daten: DESTATIS und Leipziger Strombörse EEX, energetisch korrigierte Werte
Während die Erzeugung aus Wasserkraft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 Prozent gesunken sei, hätten die Biomasseanlagen mit 24,4 Terawattstunden genau auf dem gleichen Niveau gelegen. Zusammen hätten die Erneuerbaren ihre erzeugte Strommenge um acht Prozent auf 104,5 Terawattstunden erhöht. Sie kommen damit auf einen Anteil von 37,8 Prozent – nach 33,3 Prozent im Vorjahreszeitraum – an der öffentlichen Nettostromerzeugung, wie es weiter hieß. Der Anteil an der gesamten Bruttostromerzeugung habe bei etwa 34 Prozent gelegen.
Im ersten Halbjahr ist nach Auswertungen von Energy Charts zudem ein neuer Rekord beim Exportüberschuss erreicht worden. Er sei um etwa 1,1 auf 24,2 Terawattstunden gegenüber 2016 angewachsen. Ein Großteil des überschüssigen Stroms sei nach Österreich, in die Schweiz, die Niederlande und Polen exportiert worden. Gleichzeitig habe Deutschland im ersten Halbjahr auch Strom aus Frankreich, Dänemark und Schweden importiert.

BEE: Minischritte beim Erneuerbaren-Ausbau
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) sieht die Entwicklung im Strombereich positiv. Zugleich moniert er, dass es über alle Sektoren hinweg im ersten Halbjahr nur einen geringen Anstieg des Anteils Erneuerbarer gegeben habe. So habe es im Wärmesektor nur einen leichten Anstieg und im Verkehrssektor sogar einen Rückgang im ersten Halbjahr 2017 gegeben. „Die Energiewende kommt in Deutschland viel zu langsam voran“, kritisiert Harald Uphoff, kommissarischer BEE-Geschäftsführer. Nur ein deutlich engagierterer Ausbau in allen Sektoren könne dazu beitragen, dass die Bundesregierung noch ihre Zusagen an die EU-Kommission sowie für das Pariser Klimaabkommen einhalte. Die neue Bundesregierung müsse gleich nach der Wahl entsprechende Maßnahmen einleiten. „Wir benötigen faire Wettbewerbsbedingungen für erneuerbare Energien über eine CO2-Bepreisung im Strom- und Wärmesektor“, fordert Uphoff. Zudem müssten die Deckelung der sauberen Stromproduktion, die Förderung fossiler Heizungen sowie die Benachteiligung von Biotreibstoffen abgeschafft werden.
Nach der Halbjahresbilanz des BEE trugen die Erneuerbaren 15,2 Prozent zum Endenergieverbrauch bei. Im Vorjahreszeitraum seien es noch 14,8 Prozent gewesen. Der BEE bekräftigte angesichts dieser Entwicklung seine Prognose, dass Deutschland sein verpflichtendes EU-Ziel von 18 Prozent Erneuerbare am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2020 deutlich verfehlen werde. Bei Fortsetzung der derzeitigen Politik komme die Bundesregierung nur auf 16,7 Prozent. Noch weiter entfernt sei Deutschland von seinem Ziel, bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der BEE gehe von höchstens 30 Prozent aus.
Nach Berechnungen des BEE lag der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch einschließlich Netzverluste und Eigenverbrauch der Kraftwerke bei 35,14 Prozent. Dies ist eine Steigerung um etwa 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Die Photovoltaik-Anlagen erzeugten nach BEE-Angaben in den ersten sechs Monaten rund 21,74 Terawattstunden Solarstrom. Die Berechnungsgrundlagen des Verbands und von Energy Charts differieren etwas.
Grafik: BEE/Quelle: Eigene Berechnung nach EE-Spartenverbänden, ÜNB, BDEW, AG-Energiebilanzen, BAFA, Bundesnetzagentur, BMWI
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