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Dienstag, 11. Juli 2017

Speicherförderung – bürokratisch und zu teuer?

Speicherförderung – bürokratisch und zu teuer?


56 Prozent der Teilnehmer der pv magazine Kurzumfrage zur Speicherförderung geben an, dass sich die Speicherförderung nicht lohnt und einen hohen bürokratischen Aufwand verursacht. 19 Prozent sind der Meinung, dass es auf die jeweilige Anlage ankomme und nur 14 Prozent befürworten die Förderung grundsätzlich, weil die Vorteile die Nachteile überwiegen. Dabei gibt es wenig Unterschiede zwischen Installateuren und Verbrauchern. Beide Gruppen stellen jeweils die Hälfte der bisher 43 Teilnehmer.
Da unter Umständen vermehrt diejenigen geantwortet haben, die ihrem Unmut Luft machen wollten, könnte das Bild zu negativ sein (Hier können Sie weiter mit abstimmen).
Interessant ist jedoch die Frage, woher diese Ablehnung kommt, die sich auch schon in früheren Kommentaren zum Thema gezeigt hat. Ein Grund sind die angenommenen die Abregelverluste bei der Speicherförderung. Mit Förderung darf die Photovoltaikanlage maximal 50 Prozent der Nennleistung der Anlage einspeisen, ohne Förderung 70 Prozent.
Im Durchschnitt schätzen die Antwortenden die Ertragsverluste bei der 50-Prozent-Abregelung mit Speicher und den von ihnen angenommenen Auslegungen auf neun Prozent. 56 Prozent der Antwortenden rechnen dabei sogar mit 10 bis 15 Prozent Einbußen. Bei der Anlage ohne Speicher und mit 70 Prozent-Abregelung schätzen sie den Verlust dagegen mit knapp 6 Prozent deutlich geringer ein. Würde man dabei noch einen Speicher berücksichten, lägen die Verluste durch die 70 Prozent-Abregelung sogar noch niedriger. Da die Speicherförderung nach dieser Einschätzung wirklich signifikant Ertrag kostet, ist ihre Ablehnung nur konsequent.

Banken unterstützen das KfW-Programm nur ungern

Ein weiterer bekannter Kritikpunkt am Förderprogramm ist, dass der Tilgungszuschuss nur über die Hausbank beantragt werden kann. Diese ist aber nicht daran interessiert, den Antrag durchzuleiten, wenn nicht auch ein hoher Kredit abgeschlossen wird. Einige Teilnehmer der Umfrage schrieben dazu: „Ohne Darlehensaufnahme von mindestens 10.000 Euro und Mindestlaufzeit fünf Jahre, kein Tilgungszuschuss!“ oder „Die meisten Banken weigern sich dies durchzuführen. Ich verliere circa 40 Prozent meiner Aufträge an der Finanzierung beziehungsweise dem Frust, den sich meine Kunden dort holen.“
Wer nur den Tilgungszuschuss beantragen will, hat laut der Kurzumfrage immer noch größere Probleme.Grafik: pv magazine
Dabei empfinden die Installateure und Verbraucher es als widersinnig einen Kredit aufzunehmen, wenn sie ihn nicht benötigen, nur um den Tilgungszuschuss zu erhalten. Die Hälfte der Befragten berichtet von sehr großen Schwierigkeiten, den Zuschuss zu erhalten. Sie oder ihre Kunden haben zwei bis zehn Banken angefragt und stießen überall auf die gleichen Aussagen. Insbesondere die ersten Ansprechpartner bei vielen Finanzierungen, die örtlichen Sparkassen, lehnen offenbar diesen Kundenservice häufig ab. So fielen sie 13 Befragten negativ auf, während nur sechs sie positiv hervorhoben. Auch die Commerzbank scheint häufiger abzuwiegeln. Überwiegend positive Erwähnung fand dagegen die SWK Bank, bei der immerhin fünf Befragte oder deren Kunden Erfolg hatten. Wird zusätzlich ein Kredit beantragt reduzieren sich die Probleme erwartungsgemäß, dennoch berichtet ein Drittel der Teilnehmer weiter von Schwierigkeiten.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Einschätzung der Installateure, die regelmäßig Batteriespeicher installieren. In der Gruppe derjenigen, deren Antworten auf mehr als zehn installierte Speicher basieren, sprechen sich acht von zwölf gegen das Förderprogramm aus. Nur ein Installteur findet, dass die Vorteile überwiegen klar überwiegen. Drei geben an, dass es von der Anlage und den Umständen abhängig sei. Sieben der antwortenden Installateure geben an, dass die Kunden bereits schlechte Erfahrungen mit den Banken gemacht hätten. Sie beklagen vor allem den hohen bürokratischen Aufwand. Bei der Finanzierung einer Gesamtanlage mit Photovoltaik und Speicher falle die Speicherförderung darüber hinaus zu gering aus, da die KfW mit zu hohen Pauschalpreisen für die Solarinstallation rechnet.

Wie hoch sind die Abregelverluste wirklich?

Ein Hauptkritikpunkt am Förderprogramm ist die 50-Prozent-Regelung. Daher ist es interessant, die Einschätzung der Umfrageteilnehmer den Ergebnissen aus der Forschung gegenüberzustellen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW) hat die Abregelverluste simuliert. Dabei wurden die Lastprofile von 74 Haushalten verwendet. Es zeigte sich, dass die Verluste stark von der installierten Photovoltaikleistung im Verhältnis zur Batteriekapazität und von der Betriebsweise des Speichers abhängen. Je höher die Solarleistung pro Kilowattstunde Speicher, desto höher fallen naturgemäß die Verluste aus. Außerdem kommt es darauf an, ob der Batteriespeicher prognosebasiert lädt.
Grafik: HTW Berlin, Abregelverluste bei verschiedenen Systemvarianten (Anlage mit 5  Kilowattpeak Photovoltaikanlage, 5 Kilowattstunden Batteriespeicher und 5.300 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr)Grafik: HTW Berlin
Bei der 70 Prozentregelung ohne Speicher gehen etwa zwei Prozent des Stroms verloren (schwarze Linie). Bei einer Anlage mit 5 Kilowattstunden Speicher, der ohne Prognosen am Vormittag lädt, sind die Verluste ebenso hoch, wenn keine Förderung beantragt ist und die Anlage ebenfalls auf 70 Prozent abgeregelt werden muss (orange Linie). Lässt sich der Betreiber fördern und damit auf die 50-Prozent-Regelung ein, verliert er etwa acht Prozent des Ertrags. Wird der Speicher dagegen prognosebasiert betrieben, fallen die Verluste wieder auf zwei Prozent oder weniger, abhängig von der Qualität der Prognosen und dem direkten Eigenverbrauch (gelbe und grüne Linie). „Gerade die großen Hersteller, die die meisten Systeme verkaufen, haben die Spitzenkappung unserer Erfahrung nach schon sehr gut im Griff“, sagt dazu Johannes Weniger, Wissenschaftler an der HTW-Berlin.
Bei anderen Dimensionierungen verschieben sich naturgemäß die Zahlen. Ein kleiner Speicher kann bei einer großen Photovolatikanlage selbst dann nicht viel ausrichten, wenn die Prognosen sehr gut sind. Das Abstimmungsverhalten in der Umfrage lässt sich auch so erklären, dass die Teilnehmer eher der Fraktion im Markt angehören, die größere Photovoltaikanlagen baut.

Grafik: HTW Berlin, Studie: Effekte der 50%-Einspeisebegrenzung des KfW-Förderprogramms für Photovoltaik-Speichersysteme – Mittlere Abregelungsverluste in Abhängigkeit der Systemgröße bei frühzeitiger Batterieladung (links) und prognosebasierter Batterieladung (rechts) für einen Beispielhaushalt mit 5.300 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch.
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