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Dienstag, 8. Mai 2018

Die Energiewende wird zum globalen Geschäftsmodell

Die Energiewende wird zum globalen Geschäftsmodell

Erneuerbare Energien sind ins Zentrum der globalen Energielandschaft gerückt. Zum sechsten Mal in Folge wurden 2017 für die Stromversorgung weltweit mehr Kapazitäten zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen als konventionelle Kraftwerke zugebaut.

Infografik: Zum sechsten Mal in Folge wurden 2017 für die Stromversorgung weltweit mehr Kapazitäten zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen als konventionelle Kraftwerke zugebaut.© BMWi; Datenbasis: IRENA, Renewable Capacity Statistics 2018Die Energiewende hat sich längst zum globalen Phänomen entwickelt. Weltweit wurden 2017 laut jüngsten Zahlen der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA 8,3 Prozent mehr erneuerbare Kapazitäten zur Stromerzeugung zugebaut (netto) als im Vorjahr, insgesamt 167 Gigawatt (GW) – mehr als im Bereich der konventionellen Energiequellen. Die stärkste Wachstumsrate zeigte Solarenergie mit einer Zunahme von 32 Prozent gegenüber 2016. Windenergie, nach Wasserkraft die zweitgrößte erneuerbare Energiequelle, hat um 10 Prozent zugelegt. In Deutschland wurden nach Angaben der AGEE-Stat 2017 8,3 GW an Kapazitäten erneuerbarer Energiequellen zur Stromerzeugung hinzugefügt (netto). Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei die Windenergie, die um 6,3 GW auf insgesamt 55,9 GW zulegte (12,7 Prozent mehr als im Vorjahr). Der Photovoltaik-Zubau lag in Deutschland bei 1,7 GW, die Kapazität lag damit Ende 2017 bei 42,4 GW (+ 4,1 Prozent). Die Gesamtkapazität erneuerbarer Energien in Deutschland betrug damit Ende letzten Jahres 111,9 GW.

Weltweit lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung im vergangenen Jahr bei rund 25 Prozent – das reicht aber laut IRENA nicht aus. Das UN-Klimaziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten, sei auf Basis der gegenwärtigen Energiepolitik nicht zu erreichen.

Berlin Energy Transition Dialogue: Energiewende beschleunigen

Beim 4. Berlin Energy Transition Dialogue, der von der deutschen Bundesregierung am 17. und 18. April ausgerichtet wurde, waren die IRENA-Statistiken Basis für langfristige Ausblicke auf die nächsten Schritte der Energiewende. IRENA-Generalsekretär Adnan Z. Amin und Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur IEA, stellten auf der Konferenz Studien vor, die analysieren, wie das Unter-Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens umgesetzt werden kann.

Die IRENA-Studie "Global Energy Transformation: A Roadmap to 2050" geht davon aus, dass weltweit mindestens sechsmal mehr erneuerbare Energie zugebaut werden muss als jetzt, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Erneuerbare Energiequellen müssten bis 2050 für zwei Drittel des Energieverbrauchs sowie 85 Prozent der Stromerzeugung sorgen. Eine beschleunigte Energiewende mache auch ökonomisch Sinn, so die Studie. Bis 2050 würden 7,4 Millionen Jobs im Bereich fossile Energien wegfallen, gleichzeitig entstünden aber 19 Millionen neue Arbeitsplätze in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Netzausbau und Energieflexibilität – netto also 11,6 Millionen Jobs im Energiebereich mehr weltweit. Kosteneinsparungen, die durch die Energiewende ermöglicht werden, überwiegen nach Berechnungen der Analyse bei weitem die zusätzlichen Kosten. So würde eine umfassende, langfristige Energiewende nach dem IRENA-Szenario bis 2050 zwar jährlich 1,7 Billionen US-Dollar mehr kosten als die gegenwärtige Energiepolitik. Auf der anderen Seite könnten aber jährlich Kosten in Höhe von 6 Billionen US-Dollar eingespart werden durch geringere Luftverschmutzung, geringere Umweltschäden und damit einhergehender besserer Gesundheit. Außerdem stimuliere die Energiewende das Wirtschaftswachstum. Im Vergleich zu einem "Business as usual"-Szenario berechnet die Studie eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 52 Billionen US-Dollar zwischen 2018 und 2050.

Die Rolle der Energieeffizienz

Um die notwendigen Treibhausgasreduktionen zu erreichen, reicht der Ausbau erneuerbarer Energien alleine nicht aus. Weltweit sind zudem mehr Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz nötig. Das ist das zentrale Ergebnis einer Analyse, die von der IEA beim Berlin Energy Transition Dialogue vorgestellt wurde. Die Studie "Perspectives for the Energy Transition: The Role of Energy Efficiency" hält fest, dass Energieeffizienzmaßnahmen für 35 Prozent der CO2-Einsparungen sorgen könnten, die im Pariser Klimaabkommen angestrebt werden.

Die Analyse der IEA zeigt, welchen Beitrag die drei entscheidenden Sektoren – Industrie, Verkehr und Gebäude – im Bereich der Energieeffizienz leisten können, um diese Ziele zu erreichen. Investitionen in Energieeffizienz zahlen sich im Laufe der Lebensdauer von Anlagen aus, betont die Studie, doch diese Zeitspanne sei meist länger, als Konsumenten oder Unternehmen sie für Entscheidungen berücksichtigen.

Zusätzliche Hemmnisse seien mangelnde Kenntnisse und Informationen über Einsparpotenziale. Die globale Energieintensität – der Energieverbrauch pro Produkteinheit – hat sich laut IEA 2017 nur um 1,7 Prozent verbessert, weniger als in den vergangenen drei Jahren. Deshalb will die IEA weltweit Regierungen beraten – durch Analysen, Best-Practice-Modelle und Training.

Quelle: BMI
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